Tagebucheintrag · 17. September 2026

Aus Silvas Tagebuch · Ihre Geschichte von Anfang an kennenlernen →

Zwischen Vollbremsungen, Bauchlandungen und einer kleinen Schlingeline auf Abwegen

Eigentlich trainieren wir jeden Tag.
Nicht jede Trainingseinheit landet auf Video, denn meistens bin ich viel zu sehr damit beschäftigt, mich auf Silva zu konzentrieren. Unsere Spaziergänge sehen deshalb auch nie gleich aus. Mal gehen wir ganz entspannt mit der normalen Leine, mal kommt die Schleppleine zum Einsatz und an manchen Tagen darf Silva auch ohne Leine laufen. Welche Variante wir wählen, entscheide ich ganz spontan. Es kommt nämlich immer ein bisschen darauf an, wie die Stimmung unseres kleinen Wirbelwinds – oder besser gesagt unserer kleinen Schlingeline – gerade ist.
Manchmal merkt man schon nach den ersten Metern, dass sie aufmerksam ist und richtig Lust hat, mit mir zusammenzuarbeiten. An anderen Tagen scheint ihre Nase wichtiger zu sein als alles andere. Dann erzählt ihr jeder Grashalm eine neue Geschichte und jeder Maulwurfshügel scheint ein spannendes Abenteuer zu versprechen. Genau diese Mischung macht unsere Spaziergänge so besonders. Kein Tag ist wie der andere und genau das liebe ich so daran.
Natürlich bauen wir unterwegs immer wieder kleine Trainingseinheiten ein. Ich bleibe plötzlich stehen, wechsle ohne Vorwarnung die Richtung oder rufe sie zu mir zurück. Dabei geht es gar nicht darum, dass alles perfekt klappt. Viel wichtiger ist mir, dass Silva lernt, sich immer mehr an mir zu orientieren und wir als Team zusammenwachsen.
Und ich muss sagen: Es ist einfach wunderschön zu beobachten, wie sie sich entwickelt.
Immer häufiger schaut sie von sich aus zu mir, wartet auf das nächste Signal oder entscheidet sich ganz bewusst dafür, zu mir zurückzukommen. Genau diese kleinen Fortschritte sind es, die mich jedes Mal glücklich machen.
Natürlich wäre Silva nicht Silva, wenn dabei nicht auch jede Menge Unsinn passieren würde.
Einmal stand ich einfach auf dem Feldweg und rief sie zu mir. Mit Vollgas schoss sie los, raste erst einmal an mir vorbei, lief noch zwei oder drei Schritte weiter und legte plötzlich eine Vollbremsung hin.
Ich musste so lachen.
Fast konnte ich hören, wie es in ihrem kleinen Köpfchen arbeitete.
„Moment mal… Frauchen meinte ja mich!" 🤣
Also drehte sie um und kam schließlich doch noch zurück.
Ein paar Minuten später hockte ich mich hin und rief sie erneut. Diesmal nahm sie den direkten Weg. Allerdings hatte sie dabei so viel Schwung, dass sie mit voller Begeisterung auf mich zusprang, ihre beiden Vorderpfoten auf meine Schultern legte und ich mich blitzschnell mit einer Hand auf dem Boden abstützen musste. Einen kurzen Augenblick später und ich hätte wahrscheinlich rückwärts auf meinem Hosenboden gesessen.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass Silva ihre Punktlandung perfekt fand.
Ich dagegen musste einfach nur lachen. 🤪
Doch derselbe Spaziergang zeigte mir auch, dass Hundetraining nicht immer nur aus lustigen Momenten besteht.
Zum Ende unserer Runde wollte ich Silva, wie so oft, schon ein gutes Stück vor unserem Zuhause wieder anleinen. Bis zur Straße war zwar noch etwas Zeit, aber ich wollte sie lieber vorher zu mir holen.
Also rief ich sie.
Silva blieb kurz stehen, drehte den Kopf zu mir und schaute mich an.
Dieser Blick sprach Bände.
„Frauchen... was möchtest du denn? Ich kenne den Weg nach Hause. Warum soll ich jetzt wieder zurückkommen?" 🤨🐾
Also versuchte ich es noch einmal.
Und noch einmal.
Und noch einmal.
Ich glaube, insgesamt fünf oder sechs Mal.
Jedes Mal bekam ich denselben Blick. Kurz anschauen, einen Moment überlegen und anschließend ganz gelassen weiterlaufen.
„Nö… ich gehe schon mal vor." 🤭
Für Silva war die Sache völlig klar. Der Spaziergang war beendet und sie wusste schließlich ganz genau, wo unser Zuhause war.
Für mich begann in diesem Moment allerdings das Kopfkino.
Zwischen dem Feldweg und unserem Haus liegt noch eine Straße. Zwar war es bis dorthin noch ein gutes Stück, doch mit jedem Meter, den Silva weiterlief, wurden meine Gedanken lauter.
Bitte bleib stehen…
Bitte jetzt kein Auto…
Bitte lauf nicht einfach weiter…
Ich rief sofort Willi an und bat ihn, Silva entgegenzugehen, weil ich selbst nicht schnell genug hinterherkam.
Und dann hatten wir einen kleinen Schutzengel.
An der T-Kreuzung vor unserem Haus stand zufällig ein Fahrzeug eines Pflegedienstes bei unseren Nachbarn. Die Mitarbeiter bemerkten Silva, sprachen sie freundlich an und hielten sie genau dort auf, bis wir ankamen.
Ich kann gar nicht beschreiben, was in diesem Moment in mir vorging. Mein Herz machte Purzelbäume und blieb gleichzeitig gefühlt mehrere Male stehen.
Als ich schließlich bei ihr war, schaute sie mich wieder mit genau diesem Blick an.
„Na siehst du… ich war doch schon fast zu Hause." 🤷‍♀️🐶
Ich wusste in diesem Moment gar nicht, ob ich sie knuddeln, ausschimpfen oder einfach nur unendlich erleichtert sein sollte.
Als wir schließlich wieder zu Hause ankamen, war für diesen Vormittag erst einmal Feierabend.
Nicht nur Silva brauchte eine Pause.
Ich ehrlich gesagt auch. 🤪🤣
Nach so viel Lachen, Herzklopfen und Adrenalin hatten wir uns beide eine kleine Auszeit verdient.
Doch wie das mit unserer kleinen Schlingeline eben so ist, war der Tag noch lange nicht vorbei.
Am Abend stand natürlich wieder eine Gassirunde auf dem Programm. Diesmal war ich allerdings nicht allein unterwegs. Meine Tochter und mein Enkelsohn begleiteten uns und schon nach wenigen Minuten wurden unsere Lachmuskeln erneut auf eine harte Probe gestellt.
Mein Enkel kletterte neugierig auf einen Hochsitz.
Und wer wollte unbedingt hinterher?
Natürlich Silva!
Mit einer Entschlossenheit, die ihresgleichen sucht, versuchte sie tatsächlich, ihm nachzuklettern. Sie stellte die Vorderpfoten an, schaute nach oben und überlegte ernsthaft, wie sie wohl dort hinaufkommen könnte.
Wir haben Tränen gelacht.
Ich glaube, in Silvas Kopf gab es in diesem Moment überhaupt keinen Zweifel daran, dass Hochsitze selbstverständlich auch für Hunde gebaut wurden. 🤣
Doch an diesem Abend gab es noch einen Moment, der mich mindestens genauso stolz gemacht hat.
Seit Silva bei uns lebt, waren Treppen immer eine große Herausforderung. Vor etwa sechs Wochen mussten wir sie bei meiner Tochter sogar noch hochtragen, weil sie sich einfach nicht traute.
An diesem Abend blieb ich ganz ruhig, gab ihr Zeit und wartete einfach ab.
Und plötzlich passierte etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte.
Silva lief die Treppe fast ganz allein hinauf.
Ohne großes Überreden.
Ohne langes Zögern.
Ich war unglaublich stolz auf sie.
Beim Heruntergehen sah die Welt allerdings wieder etwas anders aus.
Da setzte unsere kleine Schlingeline zunächst einmal alle vier Pfoten in den imaginären Boden und machte unmissverständlich klar:
„Nein. Das ist keine gute Idee." 🤨
Diesmal ließ ich mich jedoch nicht auf diese Diskussion ein. Ich blieb ruhig, gab ihr Sicherheit und wartete einfach.
Und siehe da...
Langsam.
Schritt für Schritt.
Mit ganz viel Bedacht.
...lief sie schließlich auch die Treppe wieder hinunter.
Genau solche Momente zeigen mir, dass Entwicklung oft ganz leise passiert. Nicht mit riesigen Sprüngen, sondern mit vielen kleinen Schritten. Jeder Blick zu mir, jede gemeisterte Treppe, jeder gelungene Rückruf und selbst jeder kleine Dickkopf-Moment gehören zu unserem gemeinsamen Weg.
Silva überrascht mich jeden einzelnen Tag aufs Neue.
Mal bringt sie mich fast zu Fall.
Mal lässt sie mein Herz für einen Moment stehen.
Und kurz darauf bringt sie mich wieder so sehr zum Lachen, dass mir die Tränen kommen.
Genau deshalb liebe ich unsere gemeinsame Reise so sehr. Denn mit unserer kleinen Schlingeline wird es garantiert niemals langweilig. ❤️🐾

Bilder dieses Tages

Fix und fertig für den Moment

Videos dieses Tages

Punktlandung auf Frauchen. Fast wäre ich umgefallen!
Rückruf? Heute eher Verhandlungssache.
Training ohne Leine – Orientierung üben

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