Tagebucheintrag · 19. September 2026

Aus Silvas Tagebuch · Ihre Geschichte von Anfang an kennenlernen →

Heute hatte ich einen Plan... Frauchen leider auch. 🐾

Heute Morgen hatte ich schon beim Anziehen das Gefühl, dass unsere kleine Schlingeline richtig Lust auf den Spaziergang hatte. Wer einen Hund hat, kennt das vielleicht. Man merkt einfach schon vorher, ob heute eher Blödsinn oder Lernen auf dem Programm steht. Heute wirkte Silva aufmerksam und bereit, mitzuarbeiten. Also entschied ich mich ganz bewusst für die normale Leine.
Eigentlich wollte ich sie nach ungefähr dreihundert Metern ableinen. Doch genau in diesem Moment kam uns ein älterer Herr mit seinem Hund entgegen. Da ich weder den Hund noch sein Herrchen kannte, blieb die Leine erst einmal dran. In solchen Situationen wechsle ich grundsätzlich die Seite des Feldweges. So kann ich in Ruhe beobachten, wie Silva reagiert, ohne sie in irgendetwas hineinzudrängen.
Schon von Weitem setzte sie sich hin. Kurz darauf legte sie sich sogar ins Platz. Je näher der andere Hund kam, desto deutlicher merkte ich, dass ihr diese Begegnung nicht ganz geheuer war. Sie stand wieder auf, lief ein Stück weiter ins Feld hinein und setzte sich dort erneut hin. Von dort aus beobachtete sie alles ganz aufmerksam.
Ich hatte dabei gar nicht das Gefühl, dass sie nach meiner Hilfe suchte. Es wirkte eher so, als würde sie sich denken: „Ich halte heute einfach lieber etwas Abstand."
Genau das finde ich inzwischen so schön. Sie entscheidet viele Situationen mittlerweile selbst und sucht sich ihren eigenen Weg, ohne in Panik zu geraten.
Als die beiden schließlich vorbei waren, gingen wir weiter und kurze Zeit später durfte sie endlich ohne Leine laufen.
Und wie so oft verwandelte sich unsere vorsichtige Dame innerhalb weniger Sekunden wieder in ein kleines Känguru. Mit riesigen Sprüngen hüpfte sie über die abgeernteten Felder, raste kreuz und quer durch die Gegend und hatte sichtbar ihren Spaß. Ich musste ihr einfach nur zusehen und lachen.
Natürlich blieb es nicht beim Toben.
Unsere großen Gassirunden sind gleichzeitig immer auch unsere Trainingsrunden. Deshalb wechseln sich Spiel und Training ständig miteinander ab. Zwei oder drei Übungen, anschließend darf Silva wieder einfach Hund sein. Sie darf schnüffeln, rennen und alles entdecken, was sie spannend findet. Nach ein paar Minuten folgt wieder eine kleine Übung. Genau diese Mischung funktioniert für uns beide inzwischen richtig gut.
Beim Rückruf merkt man inzwischen deutlich, wie viel sie schon gelernt hat. Trotzdem hat unsere kleine Schlingeline dabei manchmal ihre ganz eigene Vorstellung davon, wie so ein Rückruf aussehen sollte.
Manchmal kam sie voller Tempo auf mich zugeschossen, lief erst ein oder zwei Meter an mir vorbei, bremste dann ab und kam anschließend ganz selbstverständlich zu mir zurück. Ein anderes Mal kam sie zwar angelaufen, doch plötzlich war ein Geruch im Gras wieder viel interessanter. Dann blieb die Nase erst einmal unten.
Gelobt wurde allerdings nie unterwegs.
Gelobt wurde immer erst dann, wenn sie wirklich bei mir angekommen war.
Genau das soll sie schließlich lernen.
An einer Weggabelung steht eine kleine Bank mit einem Kreuz. Dort kam mir spontan die Idee für die nächste Übung. Ich setzte mich einfach auf die Bank.
Silva blieb stehen, schaute erst mich an, dann die Bank und anschließend wieder mich.
Ich musste schon grinsen.
Ihr Blick sagte ungefähr: „Was macht Frauchen denn jetzt schon wieder? Normalerweise laufen wir doch einfach weiter."
Natürlich musste sie zuerst die Bank einmal komplett kontrollieren. Erst beim zweiten Rufen kam sie schließlich zu mir. Sitz. Großes Lob. Danach Platz. Wieder Lob.
Dann begann unsere Bleib-Übung.
Ich stand langsam auf, sagte ihr ruhig „Bleib" und ging Schritt für Schritt rückwärts. Immer wieder wiederholte ich das Kommando.
Und sie blieb tatsächlich liegen.
Meter für Meter entfernte ich mich weiter von ihr und sie blieb einfach dort liegen. Erst nach ungefähr hundert Metern rief ich sie wieder zu mir.
Darauf war ich wirklich stolz.
Gerade draußen, wo überall spannende Gerüche und Ablenkungen warten, ist das alles andere als selbstverständlich.
Ein Stück später meinte unsere Madame dann allerdings, einen besseren Plan zu haben.
Plötzlich bog sie quer über das Feld ab und nahm ganz offensichtlich Kurs Richtung Zuhause.
Ich rief sie sofort.
Im nächsten Moment drehte sie sich um und kam mit riesigen Kängurusprüngen auf mich zugeschossen. Ich ging sofort in die Hocke und machte mich – wie so oft – wieder komplett zum Clown. Genau darauf springt Silva nämlich viel mehr an als auf jedes Leckerchen.
Diesmal kam sie direkt bis zu mir.
Erst jetzt wurde sie überschwänglich gelobt.
Sie freute sich mindestens genauso sehr wie ich und sprang voller Begeisterung an mir hoch. Dabei streifte mich eine ihrer Krallen leicht am Kinn.
Ich musste lachen.
„Na, du kleine Schlingeline."
Nach unserer kleinen Kuschelrunde durfte sie noch ein gutes Stück ohne Leine weiterlaufen. Interessanterweise hatte sie ihren Plan, quer über das Feld nach Hause abzubiegen, danach komplett vergessen und lief wieder ganz entspannt mit mir über den Feldweg.
Doch ich hatte inzwischen ebenfalls einen Plan.
Ich glaube nämlich, Silva war fest davon überzeugt, dass sie später sowieso wieder alleine nach Hause laufen würde.
"Ein bisschen Training mache ich schon mit. Frauchen freut sich, ich bekomme mein Lob und später gehe ich einfach wieder alleine nach Hause."
Tja...
Schade Marmelade.
Diesmal hatte Frauchen aufgepasst.
Noch bevor wir überhaupt an die Abzweigung Richtung Zuhause kamen, rief ich sie ein letztes Mal zurück. Sie kam sofort, ich ging wieder in die Hocke, lobte sie ausgiebig, wir kuschelten noch einen kleinen Moment und genau dort klickte die Leine ein.
Ich schaute sie an.
Sie schaute mich an.
Und ich hätte schwören können, dass sie dachte:
"Moment mal... das war so aber gar nicht geplant." 🤭
Der restliche Heimweg gehörte dann wieder dem Training. Silva wollte natürlich möglichst schnell nach Hause und zog ordentlich an der Leine. Also änderten wir immer wieder die Richtung. Mal nach links, mal nach rechts, wieder zurück und wieder nach vorne. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, wie oft wir das gemacht haben. Begeistert war sie davon überhaupt nicht und gezogen hat sie trotzdem bis fast vor die Haustür.
Aber genau das ist Training.
Es muss nicht sofort perfekt funktionieren.
Es sind die vielen Wiederholungen, die irgendwann zum Erfolg führen.
Zu Hause angekommen wurde natürlich erst einmal Willi freudig begrüßt. Anschließend ging es direkt in den Garten. Dort schnappte sich Madame ein Stück Holz, sprang auf ihren geliebten Thron und bearbeitete ihr Holzstück mit sichtbarer Zufriedenheit.
Der restliche Tag verlief deutlich ruhiger. Natürlich wurde zwischendurch noch gespielt und immer mal wieder geschaut, was im Garten so los war. Trotzdem merkte man ihr den ganzen Tag an, dass unser Vormittag ordentlich Köpfchen gekostet hatte. Sie war deutlich ruhiger als sonst und gönnte sich immer wieder kleine Pausen.
Und ganz ehrlich...
Genau deshalb liebe ich unsere großen Trainingsrunden.
Dort nehmen wir uns Zeit.
Dort darf Silva lernen.
Dort darf sie Fehler machen.
Dort darf sie toben, schnüffeln, Känguru spielen und einfach Hund sein.
Und manchmal hat sie einen Plan.
Heute hatte allerdings Frauchen den besseren. ❤️🐾

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