Tagebucheintrag · 07. August 2026

Zwischen Sorgen, Hoffnung und einer kleinen Diebin

Zwischen großer Sorge und herzhaftem Lachen hat uns dieser Tag wieder gezeigt, wie viel Kämpferherz in Silva steckt.

Heute begann der Tag mit einem mulmigen Gefühl. Schon seit gestern Mittag bemerkten wir, dass Silva beim Wasserlassen immer größere Schwierigkeiten hatte. Natürlich beobachteten wir sie ganz genau, doch innerlich machten wir uns große Sorgen. Immer wieder schossen uns Gedanken durch den Kopf. Hoffentlich muss sie nicht schon wieder operiert werden. Vielleicht reicht ja eine Blasenspülung oder eine andere Behandlung. Man versucht, sich selbst zu beruhigen, aber die Angst fährt trotzdem mit.
Dabei ging es Silva ansonsten von Tag zu Tag besser. Schon am Vormittag flitzte sie wieder durch den Garten, wollte spielen, laufen und einfach wieder Hund sein. Immer wieder mussten wir sie bremsen, weil ihre inneren Wunden noch längst nicht vollständig verheilt sind. Jedes Mal, wenn einer von uns „Nein“ sagte, schaute sie uns mit ihren großen Augen an, als würde sie fragen, warum wir ihr den Spaß verderben. Diese Blicke gehen einem direkt ins Herz.
Das Wasserlassen wurde im Laufe des Vormittags allerdings immer schwieriger. Sobald Silva merkte, dass ihre Blase drückte, setzte sie sich zunächst ganz normal wie jede Hündin zum Wasserlassen hin. Doch schon nach wenigen Sekunden hob sich ihr Hinterteil langsam wieder an. Fast im Stehen versuchte sie weiter, Urin abzusetzen. Man konnte richtig sehen, wie sie versuchte, den Urin herauszudrücken, doch es kamen nur einzelne Tropfen. Dieser Anblick tat mir in der Seele weh. Ich sagte noch zu Willi und unserer Nachbarin, wie schwer es mir fiel, sie so zu sehen.
Mittags stand dann unser offizieller Abschlusstermin in der Tierklinik an.
Schon vor der Eingangstür sorgte Silva wieder für einen dieser Momente, die wir wohl nie vergessen werden. Wir waren viel zu früh dort und warteten noch draußen. Für Silva war die Sache allerdings ganz klar. Sie lief zielstrebig zur Eingangstür und schaute uns an, als wollte sie sagen: „Na los! Worauf wartet ihr denn? Da drin werde ich doch immer so lieb begrüßt und bekomme ganz viele Streicheleinheiten.“
Wir mussten beide lachen. Es ist schon erstaunlich, wie positiv sie diese Klinik inzwischen verbindet.
Nach kurzer Wartezeit wurden wir aufgerufen. Wie selbstverständlich lief Silva mit uns bis ins Behandlungszimmer. Dort sprach die Ärztin zunächst mit uns und untersuchte anschließend ihre Blase erneut per Ultraschall.
Ich gab ihr das Kommando „Platz“. Silva entschied allerdings, dass Sitzen völlig ausreichend sei. Also halfen wir ihr gemeinsam. Ich nahm vorsichtig ihre Vorderpfoten, die Assistentin ihre Hinterläufe, und gemeinsam legten wir sie auf die Seite.
Ihr Gesichtsausdruck war einfach unbezahlbar.
Sie schaute mir direkt in die Augen, drückte ihren Kopf ganz fest an meinen Oberkörper und ihr Blick sagte eigentlich alles.
„Jetzt mal ehrlich... was macht ihr denn da schon wieder mit mir?“
Während ich sie streichelte und mit ihr kuschelte, konnte die Ärztin ganz in Ruhe ihre Untersuchung durchführen.
Am Ende bekamen wir zumindest eine kleine Erleichterung. Im Moment ist keine weitere Operation notwendig. Allerdings müssen wir Silvas Blase und ihr Harnverhalten jetzt engmaschig kontrollieren. Alle paar Tage werden wir wieder in die Tierklinik fahren, damit sofort reagiert werden kann, falls sich ihr Zustand verschlechtert. Unser nächster Termin steht deshalb bereits am Sonntag an.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge fuhren wir wieder nach Hause. Einerseits waren wir erleichtert, dass vorerst keine weitere Operation notwendig ist. Andererseits wissen wir, dass der Weg noch nicht zu Ende ist und wir Silva weiterhin ganz genau beobachten müssen.
Der Tag endete dann glücklicherweise doch noch mit einem herzhaften Lachen.
Plötzlich lief Silva mit einem Leckerchen im Maul durchs Wohnzimmer. Zuerst machten wir uns überhaupt keine Gedanken. Wahrscheinlich hatte sie irgendwo noch eins gefunden, dachten wir.
Kurze Zeit später kam sie allerdings schon wieder mit einem Leckerchen um die Ecke.
Jetzt wurden wir stutzig.
Willi ging auf die andere Seite unseres Wohnzimmertisches und entdeckte die Überraschung.
Die kleine Dame hatte tatsächlich unser Leckerchen-Versteck gefunden. Die Tüte lag in einem Regalfach des Wohnzimmertisches. Irgendwie hatte sie es geschafft, die Tüte aus dem Fach herauszuziehen, sie zu öffnen und sich ganz in Ruhe selbst zu bedienen.
Wir konnten gar nicht anders, als loszulachen.
Da stand sie nun, mit ihrer Beute im Maul, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt.
Unsere kleine Patientin entwickelt sich langsam zu einer ziemlich raffinierten Diebin.
Und ganz ehrlich?
Genau in solchen Momenten merken wir, wie viel Lebensfreude in ihr wieder steckt. Nach all den Sorgen der vergangenen Tage war dieses kleine Abenteuer mit den Leckerchen vielleicht genau das, was wir heute gebraucht haben. Es hat uns gezeigt, dass in Silva wieder die neugierige, freche und lebensfrohe Hündin steckt, die uns jeden Tag aufs Neue zum Lächeln bringt. ❤️🐶

Bilder dieses Tages

Vor der Tierklinik. Gemeinsam warten wir auf den Kontrolltermin – mit Hoffnung, Geduld und einem kleinen Lächeln. ❤️🐾

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