Tagebucheintrag · 17. Mai 2026
Die erste Nacht
Die erste Nacht brachte viele neue Eindrücke mit sich. Doch zwischen all der Unsicherheit zeigte sich auch, wie viel Geduld Vertrauen braucht.
Die erste Nacht war für uns alle ungewohnt.
Silva war erst seit wenigen Stunden bei uns. Alles war fremd: das Haus, die Geräusche, die Gerüche – und auch wir. Deshalb wollten wir ihr das Ankommen so leicht wie möglich machen.
Damit sie sich nicht allein fühlte, nahmen wir sie für einige Minuten mit zu uns ins Bett. Wir hofften, dass unsere Nähe ihr etwas Sicherheit geben würde.
Doch Silva wirkte unruhig.
Sie konnte sich nicht entspannen und schien sich dort überhaupt nicht wohlzufühlen. Also ließen wir sie selbst entscheiden, wo sie liegen wollte.
Direkt neben unserem Bett stand bereits ihr eigenes Körbchen. Darin lag das kleine Kuscheltier, das sie aus Rumänien mitgebracht hatte – wahrscheinlich einer der wenigen vertrauten Gegenstände aus ihrem bisherigen Leben.
Irgendwann in der Nacht legte sie sich in ihr Körbchen. Dort kam sie langsam zur Ruhe.
Als wir am Morgen aufstanden, bemerkten wir, dass sie in ihr Körbchen gemacht hatte.
Natürlich waren wir nicht böse.
Ganz im Gegenteil.
Für uns war das kein Missgeschick, sondern ein Zeichen dafür, wie groß ihre Unsicherheit noch gewesen sein musste. Nach allem, was sie erlebt hatte, erwarteten wir nicht, dass sie sich schon nach einem einzigen Tag sicher fühlen würde.
Also gingen wir am Morgen ganz ruhig mit ihr in den Garten. Keine langen Spaziergänge, keine großen Erwartungen. Sie sollte einfach ankommen, schnuppern und nach und nach verstehen, dass sie jetzt in Sicherheit war.
Heute wissen wir, dass Vertrauen Zeit braucht.
Und manchmal beginnt es in einer Nacht, in der eigentlich gar nichts perfekt läuft.