Tagebucheintrag · 12. August 2026
Sie ist wieder zu Hause. ❤️
Nach Tagen voller Sorgen durften wir unsere kleine Kämpferin endlich wieder nach Hause holen.
Manchmal fühlt sich eine Stunde an wie ein ganzer Tag.
Genau das haben wir heute erlebt.
Gestern Abend hatte Dr. Faßbender uns noch gesagt, dass er sich am nächsten Morgen melden würde, damit wir unsere kleine Maus endlich nach Hause holen können.
Eigentlich war das eine wunderschöne Nachricht.
Und trotzdem begann damit eine der längsten Wartezeiten unseres Lebens.
Seit sieben Uhr morgens saßen Willi und ich wie auf heißen Kohlen. Das Handy lag ständig griffbereit. Keiner von uns traute sich, wirklich etwas anzufangen. Nicht einmal in Ruhe zur Toilette wollte man gehen. Immer mit der Angst im Hinterkopf, genau in diesem Moment könnte das Telefon klingeln.
Die Gedanken fuhren Achterbahn.
Wie geht es ihr?
Hat sie die Nacht gut überstanden?
Wann dürfen wir sie endlich wiedersehen?
Immer wieder dieselben Fragen. Immer wieder dieselbe Hoffnung, dass das Telefon endlich klingeln würde.
Zwischendurch riefen unsere Kinder an. Natürlich hätten wir gerne mit ihnen gesprochen. Doch unsere Gedanken waren ganz woanders. Wir warteten nur auf diesen einen Anruf.
Irgendwann hielten wir die Ungewissheit nicht mehr aus und riefen selbst in der Klinik an. Einmal. Zweimal. Beim dritten Versuch erreichten wir niemanden mehr.
Inzwischen war es bereits 16:30 Uhr.
Seit dem frühen Morgen hatten wir auf diesen einen Anruf gewartet. Jede Stunde hatte sich wie eine kleine Ewigkeit angefühlt. Langsam wussten wir nicht mehr, was wir noch tun sollten.
Da schauten Willi und ich uns an.
„Jetzt reicht's. Wir fahren einfach los.“
Wir standen praktisch schon bereit, als genau in diesem Moment das Telefon klingelte.
Dr. Faßbender.
Er wollte gerade anfangen zu erzählen, wie es Silva geht.
Ich musste ihn lächelnd unterbrechen.
„Bitte seien Sie mir nicht böse, aber erzählen Sie uns das gleich persönlich. Wir sind sofort da.“
Er lachte und fragte nur noch, wie lange wir ungefähr brauchen würden.
Etwa dreißig Minuten später standen wir in der Klinik.
Auch dort mussten wir noch ein wenig warten. Aber dieses Warten fühlte sich plötzlich ganz anders an. Jetzt wussten wir, dass nur noch wenige Minuten zwischen uns und unserer kleinen Maus lagen.
Dann ging endlich die Tür auf.
Silva kam zu uns.
Ich glaube, in diesem Moment fiel die gesamte Anspannung der vergangenen Tage von uns ab.
Dr. Faßbender nahm sich viel Zeit und erklärte uns noch einmal ganz genau, wie die Operation verlaufen war und worauf wir in den nächsten Tagen achten mussten.
Zwischendurch erzählte er aber auch Geschichten, die uns trotz allem zum Lachen brachten.
Silva hatte wohl ihre Streicheleinheiten sehr deutlich eingefordert. Hörte jemand auf zu kraulen, machte sie unmissverständlich klar, dass sie noch längst nicht fertig war.
Und als wäre das nicht genug, hatte sie es tatsächlich geschafft, sich in der Nacht ihren Katheter selbst zu ziehen.
"Die ist ganz schön schlau und raffiniert", sagte Dr. Faßbender lachend.
Genau das ist unsere Silva.
Als wir später die Klinik verlassen wollten, rief noch eine Mitarbeiterin nach ihr.
"Tschüss, Silva."
Natürlich drehte sich unsere kleine Maus sofort um und holte sich noch eine letzte Kuscheleinheit ab.
In diesem Moment wurde uns endgültig bewusst, dass sie dort nicht einfach nur Patientin gewesen war.
Sie hatte die Herzen des gesamten Teams erobert.
Zu Hause angekommen, lief Silva ganz selbstverständlich zu ihrer Couch. Dort begann sie sofort, sich ihren Lieblingsplatz herzurichten. Mit der Nase schob sie die Kissen zurecht, zog ein Stück an der Decke und wuselte so lange hin und her, bis alles genau so lag, wie sie es haben wollte.
Wir mussten lächeln.
Es war, als wollte sie uns sagen:
"Endlich bin ich wieder zu Hause."
Erst gegen zehn Uhr am Abend machten wir sie bettfertig. Vorsichtig bekam sie eine Babywindel angezogen, darüber eine kleine Babyleggins und anschließend wieder ihren Body, damit in der Nacht alles gut geschützt bleibt.
Als wir schließlich ins Bett gingen, machte Silva das, was sie immer macht.
Sie suchte sich ihren Schlafplatz ganz in Ruhe selbst aus.
Zuerst legte sie sich dicht neben Willis Beine. Nach wenigen Minuten stand sie wieder auf. Irgendetwas schien ihr noch nicht zu gefallen. Also wurde erst einmal die Decke mit der Nase zurechtgeschoben und so lange hin und her gerückt, bis sie meinte, dass alles richtig liegt.
Doch auch das war noch nicht perfekt.
Also stand sie erneut auf, drehte sich noch einmal im Kreis und legte sich schließlich zwischen Willis Beine. Ihren Kopf – samt Halskrause – platzierte sie vorsichtig auf einem seiner Oberschenkel.
Genau dort schien für sie alles zu stimmen.
So schliefen die beiden fast die ganze Nacht. Bestimmt achtzig Prozent der Zeit blieb sie genau in dieser Position liegen.
Ich konnte mich drehen und wenden, wie ich wollte.
Silva hatte längst entschieden, wo ihr Lieblingsplatz für diese Nacht war.
Und wisst ihr, was uns seit gestern jedes einzelne Mal ein Lächeln ins Gesicht zaubert?
Jedes Mal, wenn Silva Pipi macht.
Für die meisten Menschen ist das etwas völlig Alltägliches.
Für uns ist es im Moment eines der schönsten Gefühle überhaupt.
Jeder einzelne Tropfen erinnert uns daran, warum sich all die Sorgen, Tränen, schlaflosen Nächte und Kämpfe gelohnt haben.
Vielleicht klingt das für viele Menschen merkwürdig.
Für uns ist genau das im Moment das größte Geschenk.
Unsere kleine Kämpferin ist wieder zu Hause.
Und genau dort gehört sie hin.
❤️